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Die Reiterin am Meer

Ayden Payton

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Kapitel 1

Das Haus am Meer

Schwer und grau hängt der trübe Junihimmel über der aufgewühlten See. In weiter Ferne vermischen sich Himmel und Meer, so dass nicht zu erkennen ist, wo die Linie des Horizontes verläuft. Der starke, sich zum Sturm entwickelnde Wind treibt schwere Wolken vorüber und peitscht Regen und Wellen auf den Strand, wo sie sich schäumend brechen.

Ein paar ausdauernde Möwen ziehen ihre Bahn über dem Spülsaum und stürzen sich kreischend auf angeschwemmte Schalentiere und kleineres Meeresgetier, das den Urgewalten nicht trotzen konnte. Hier und da entbrennt ein lautstarker Streit um ganz besondere Beutestücke.

In die Symphonie aus Brausen des Windes, Rauschen des Meeres und dem Kreischen der Vögel mischt sich das tiefe Brummen des kräftigen Motors eines Vierradgetriebenen Wagens, der sich durch den schweren Sand wühlt. Kraftvoll bahnen sich die breiten Reifen einen Weg entlang des Spülsaums. Das Ziel der Fahrt ist eine felsige Rampe. Sie führt die Steilküste hinauf zu einem kleinem von einer niedrigen Hecke eingesäumten Garten. Dort steht ein für die Küstenlandschaft typisches Haus.

Kurz dreht ein Reifen durch, als der Wagen vom sandigen Untergrund auf den Fels wechselt, doch sofort reagiert die Elektronik des modernen Wagens und greift regelnd ein. Mit einem nun höher klingenden Brummen fährt der Wagen die Felsrampe hinauf. Oben angelangt stoppt der Wagen auf einem geteerten Weg neben einem schmucken schmiedeeisernen Gartentor.

Die Tür auf der Fahrerseite springt auf und ein großer Mann in einer speckigen Lederjacke verlässt das Fahrzeug. Gegen den Regen hält er sich einen schwarzen Aktenkoffer über den Kopf. Über den anderen Arm hat er sich einen dunklen nobel aussehenden Mantel geworfen. Mit einem Satz springt er über das niedrige Gartentor, und läuft schnell den kleinen Weg zum Hauseingang entlang. Er stellt den Koffer auf den Boden und mit nassen Fingern sucht er nach dem richtigen Schlüssel. Dann endlich öffnet er das altmodische Schloss und betritt das Haus.

Der Mantel wird achtlos über einen alten Lehnstuhl im Eingangsbereich geworfen. Der Aktenkoffer wird schnell hinter die Türe eines kleinen Büros geschoben und die feinen Lederschuhe tauschen ihren Platz mit warmen Hausschuhen aus einem kleinen Schuhregal.

Mit zielstrebigen Schritten geht der Mann durch den kleinen Flur in das Wohnzimmer, wo er in einem Kaminofen Feuer macht. Während das Holz langsam anbrennt schaut der Mann aus dem großen Fenster. Nur wenige Meter trennen das Haus von der Kante der Steilküste. Viele glauben, dass eines Tages, wenn Regen und Wind noch mehr Erde und Sand fort gewaschen und geweht haben, dass das Haus die Klippe hinabstürzen wird. Doch das Haus steht auf demselben Fels, der eben noch als Auffahrt von Strand diente. Vielleicht wird es irgendwann mal einsam auf einem riesigen Felsen direkt am Meer stehen, aber es wird nicht hinabstürzen.

Der Mann genießt es, die Wärme des Kamins im Rücken zu spüren, denn noch ist es kalt in dem Raum. Seine Augen ruhen auf dem weiten Meer und mit unbestimmtem Blick verfolgt er die Jagd der Wellen, die sich schäumend vor dem Strand brechen.

Plötzlich wird sein Blick von einer Bewegung, die er im Augenwinkel wahrgenommen hat, abgelenkt. Noch weit entfernt entdeckt er eine Bewegung am Strand. Etwas Großes bewegt sich in seine Richtung den Strand entlang und wird recht schnell größer. Schon bald erkennt er, dass er sich um einen Reiter auf einem Pferd handelt, der dicht am Wasser entlang reitet.

Er greift zu dem Fernglas, mit dem er normalerweise die Schiffe und Vögel beobachtet und richtet es auf den Reiter. Schnell stellt er scharf und stellt fest, dass es sich bei dem Reiter um eine Reiterin handelt. Im kräftigen Galopp scheinen sie und ihr Schimmel sich mit den Möwen in einem Wettrennen zu messen. Ihr blondes Haar, das unter der schwarzen Reiterkappe hervorweht, flattert wie eine Fahne hinter ihr.

Je näher sie kommen, desto mehr Einzelheiten kann er erkennen. Ihre dunkle Reitjacke ist nass und durch die Bewegung kann er sehen, dass ihre Hose auch nass ist. Immer wieder sieht er ein bisschen trockenen Stoff am Oberschenkel unter der Jacke hervorlugen, während der Rest der Hose nass ist. Obwohl es Juni ist, ist es heute recht kühl. Und nass bei diesem Wind und Wetter auszureiten, muss kalt sein.

Als sie direkt unterhalb seines Hauses ist, sieht er durch das starke Fernglas, dass ihr Gesicht gerötet ist und sie trotz des Regens und der Kühle des Tages sehr glücklich aussieht. Sie zügelt ihren Schimmel, lässt ihn austraben und stoppt dann ab. Ihr Blick wandert hoch zu seinem Haus, aber er ist sich sicher, dass sie ihn nicht sehen kann.

Er betrachtet ihr Gesicht jetzt aus nächster Nähe. Unter dem Rand der Reiterkappe liegen blonde Haare über ihrer Stirn. Unter dunklen sanft geschwungenen Augenbraunen schauen blaue Augen zum Haus hoch. Mit einer Hand wischt sie ein paar Tropfen aus ihren Augen. Was er für aufgewirbelte Sandkörner und Dreckspritzer gehalten hatte, stellt sich nun als viele kleine Sommerspross

 

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